Horse-Life-Balance


Eine Antwort unter meinen Fragesticker bei Instagram vor einiger Zeit zum Thema Horse-Life-Balance war: „Schwierig, aber nicht unmöglich“. Und ich finde das trifft es schon ziemlich gut.
Ein Pferd zu besitzen bedeutet viel Verantwortung, und das nicht nur finanziell, sondern auch zeitlich. Im Idealfall trägt man diese ein Pferdeleben lang. Die nahezu täglich mindestens notwendige Zeit, um die Versorgung und Bewegung des Vierbeiners zu gewährleisten, beträgt meiner Meinung und Erfahrung nach pro Pferd ca. 1.5-2h (bei einem Pensionsstall mit „Rund-um-Service“, ohne selbst misten, füttern, etc.), und da ist noch kein unnötiges „betuddeln“ dabei und auch nicht die Anfahrt zum Stall, die den Zeitrahmen je nach Entfernung und Verkehr nochmal deutlich verlängern kann. Diese Zeit muss man erstmal haben (wollen).
An schönen und trockenen Tagen bei angenehmen Temperaturen fällt es vielleicht noch leicht, sich genug Zeit zu nehmen. Aber im Winter bei Minusgraden oder wenn es tagelang regnet und keine Halle vorhanden ist kann man sich da sehr schnell außerhalb der Komfortzone befinden. Ein Pferd möchte auch versorgt und bewegt werden, wenn Überstunden auf der Arbeit anfallen, Kind oder Hund krank sind oder der Partner/ die Familie mehr Zeit fordern. Habe ich alles schon gehabt.
Mein Pferd (mittlerweile meine Pferde) haben eine sehr sehr hohe Priorität in meinem Leben. Das bedeutet manchmal (bzw. oft) auch andere Dinge zurück zu stecken. Ich mache das gerne und ich stehe mit meiner inneren Einstellung völlig dahinter. Ich würde auch jetzt immer wieder alle Entscheidungen genau so treffen. Das bedeutet natürlich im Umkehrschluss, dass von einem 24h Tag, wenn noch die Zeit für Arbeit und schlafen abgezogen wird, nicht mehr allzu viel übrig bleibt. Geschweige denn für Urlaub.
Ich persönlich finde, dass ein Pferd auch Teamwork ist. Denn mit einem guten Team, dazu zähle ich den Stallbetreiber, Trainer, vlt. eine Reitbeteiligung oder Ähnliches, ist es trotz dem großen zeitlichen Aufwand möglich, sich Freiräume zu schaffen. 

 

Ich gehe mal davon aus, dass jeder von uns sein Pferd liebt und bevorzugt täglich mehrere Stunden beim Vierbeiner verbringen würde. So es bei mir. In meiner Vorstellung könnte jeden Tag noch mehr Zeit fürs Pferd vorhanden sein. Was ganz oft dazwischen kommt: das Leben.
Wenn ich von mir ausgehe müssen die meisten Besitzer, um sich das Pferd und dessen Unterhalt leisten zu können, arbeiten gehen. Das Ganze in der Regel mehrere Stunden am Tag zuzüglich Arbeitsweg. Auch von mir ausgehend: als Selbstständige kann ich meine Arbeitstage und -zeiten zwar zum Großteil selbst festlegen, auch wie lange ich arbeite, und mir dadurch Freiräume schaffen. Allerdings bedeutet weniger arbeiten nun eben auch weniger Geld am Ende des Monats. Da heißt es die Waage zu finden. 😬
Was mir in der Gestaltung meiner Horse-Life-Balance unheimlich hilft ist, mir vorab einen Plan zu machen. Ich habe sowohl einen Jahres- als auch einen Monats- und Wochenplan (das habe ich für mich so aus dem Leistungssport übernommen). Vor jeder Woche steht für mich fest, wer an welchem Tag besonders viel Zeit gewidmet bekommt. So fällt es mir leichter den Überblick zu behalten und kontinuierliche Bewegung, Trainingsfortschritte und Gesundheit meiner Fellnasen gewährleisten zu können UND trotzdem am Privatleben teilzunehmen.
Urlaube plane ich lange im Voraus und richte meine „Pferdezeiten“ darauf ein. Bin ich länger als 3 Tage am Stück nicht selbst vor Ort, organisiere ich Bewegung und Betreuung für die Pferde und freue mich dann jedes Mal unheimlich, wenn ich wieder zurück bin. Und genau das, mir die Freude am Tun und an meinen Tiere zu erhalten ist meine Motivation manchmal doch wegzufahren. Weil es zum Leben dazu gehört sich auch selbst Auszeiten zu gönnen. Und weil häufig nach kleinen Pausen auch meine Pferde wieder eine ganz andere Motivation haben.  Da sind wir wieder bei den Emotionen, geht es mir als Besitzer gut, 
profitieren auch meine Tiere davon. 

 

Ob es sich lohnt all die in den vorherigen Beiträgen genannten Dinge in Kauf zu nehmen? HELL YES!!! ❤️ Meine Pferde sind für mich mit die besten Entscheidungen in meinem Leben.
Was ich mittlerweile von Anfang an machen würde: „Mitwisser“ ins Boot holen. Besonders in den ersten 5-7 Jahren habe ich mich sehr viel/ komplett alleine um Bewegung und Versorgung gekümmert, in dem Glauben, dass jemand anderes es eh nicht so (gut) machen kann wie ich. In der Zeit war ich nie im Urlaub und maximal 2-3 Tage am Stück weg.
Allerdings sind wir ja nicht nur Pferdebesitzer, sondern auch Menschen. Eine Auszeit, zumindest ab und an, tut allen -auch dem Pferd- mal gut. Deswegen lohnt es sich frühzeitig nach einer Pflegebeteiligung, Reitbeteiligung, einem Trainer etc. Ausschau zu halten, der die Bedürfnisse des Pferdes hinsichtlich Bewegung und Fütterung kennt und den Besitzer unterstützt. Auch in der Ausbildung. Und im Notfall in der Lage ist, das Pferd bei Abwesenheit des Besitzers beim Tierarzt oder Hufschmied vorzustellen, kleinere Verletzungen zu versorgen und so weiter.
Wenn man ein „Team“ um sein Pferd herum hat, dem man vertrauen kann, wird es nämlich möglich trotz der Verantwortung, die das Projekt eigenes Pferd mit sich bringt, regelmäßige Freiräume zu haben.
Und ich bin wahnsinnig froh darum, einen Stall gefunden zu haben, in dem es möglich ist wegzufahren, ohne, dass das Pferd hinterher auf drei Beinen steht (auch das gab es leider in der Vergangenheit schon). Bei dem täglich alle wichtigen Bedürfnis wie Bewegung an der frischen Luft, Raufutter in ausreichender Menge und guter Qualität, Kontakt mit Artgenossen und frisches Wasser gewährleistet sind. Leider ist das immer noch in manchen Ställen keine Selbstverständlichkeit.
Schaut deswegen bitte genau hin, wo ihr eure Pferde einstellt. Und über all die Verpflichtungen auch wichtig: den Spaß an der Sache nicht verlieren oder vergessen. 🦄

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